Netflix’s & die Thriller

Psychospielchen, Manipulation, Erotik und Verzweiflung. Die neue Serie von Revenge- Schöpfer Mike Kelley greift wieder tief in die Drama- Kiste und schickt einen ziemlich wirren, aber zeitweise spannenden Psycho- Thriller ins Rennen, um die Gunst der Netflix Zuschauer. Letztlich sind es aber trotzdem nur die beiden Hauptdarstellerin, die den Reiz ausmachen.

Das neue Netflix Projekt “What/If” spielt sich als ziemlich dramatische Geschichte auf, die schon früh die Seiten festlegt. Da hätten wir Anne Montgomery, die als bösartige und Manipulative Großkapitalistin auftritt. Ihr gegenüber steht die junge Lisa Ruiz-Donovan, Mitbegründerin und CEO des Biotech Startups Emigen, die mit ihrem Mann Sean Donovan ein friedliches Leben führt und schon bald in die Fänge von Anne Montgomery gerät. Was mich dabei allerdings schon in den ersten Sekunden gestört hat, war die ziemlich plumpe Art wie Anne Montgomery als “Bösewicht” eingeführt wird. Die ersten Szenen zeigen die reiche Dame mit einem Diktiergerät in der Hand, während im Hintergrund ein unermüdliches Unwetter tobt. Was dann folgte ist ein bedeutungsschwangerer Monolog, der vor Bitterkeit und flachen Metaphern nur so trieft.

Nicht gerade subtil zeigen die Autoren mit dem Zeigefinger auf Anne und rufen dem Zuschauer förmlich “Die ist voll Böse. Also so richtig! Echt eine Oberzicke!” Es ist ja nicht verwerflich einer Figur ein paar Ecken und Kanten zu verleihen. Schon gar nicht, wenn dies allein durch Dialoge funktioniert, aber diese platte Ausdrucksform ist schon echt zum Stirnrunzeln.

Die Böse ist…

Aber immerhin weiß man als Zuschauer sofort wen man hassen soll! Schnell kristallisiert sich heraus, was die Autoren als Leitthema auserkoren haben. Vertrauen & Loyalität! Denn nicht nur Lisa muss sich die Frage gefallen lassen, wem sie verpflichtet ist. Auch ihre Freundin Angela, die eine Affäre mit dem Chefarzt hat und ihr Ehemann Sean, dem eine dunkle Vergangenheit plagt, sind dieser Frage ausgesetzt. Wie viel Wahrheit schulde ich dem jeweils anderen und wie viel Vertrauen bringt er/sie mir entgegen. Dadurch ergeben sich zahlreiche Konflikte, die eng mit der Vergangenheit einiger Figuren zu tun haben. Denn die Serie ergründet hierbei auch instinktiv die Psyche des Menschen und was sie bereit sind aufzuopfern, um Stillschweigen zu wahren und/oder ein unerreichbar erscheinendes Ziel zu erreichen.

Schließlich ist es nicht nur Lisa, die sich bedingt durch Anne’s Angebot einigen fragwürdigen Entscheidungen stellen muss. Auch ihre Freunde haben einige Geheimnisse in der Hinterhand, die ungeahnte Folgen haben können. Man könnte den Neo-Noir Thriller also durchaus als Moralgeschichte ansehen, die die Frage aufkommen lässt, was für manche Menschen noch akzeptabel ist, um den Schein zu wahren.

Gute, alte Hinhalte- Taktik!

All das resultiert in einer ziemlich oberflächlichen, aber durchaus spannenden Serie. Denn ähnlich wie in Revenge werden die Geheimnisse, Intrigen und Vergangenheiten nur schrittweise aufgedeckt, was letztlich zu einem “Okay, jetzt will ich aber wissen wie’s weitergeht” führt. Die Parallelen der beiden Serien sind also nicht von der Hand zu weisen, schließlich erstreckt sich auch in What/If ein sehr verzwickte Geschichte.

Nichtsdestotrotz fragt man sich ständig wieso so viel Wirbel um bestimmte Dinge gemacht wird, wenn sie doch einfacher zu lösen gewesen wären. Zumal es sich mir fast nie erschließen konnte, weshalb zwangsweise durch Dialoge darauf hingewiesen wird, dass etwas in der verheißungsvollen Nacht geschehen ist, aber nie gänzlich ein Anhaltspunkt geliefert wird. Es ist fast so, als würde dir ein guter Kumpel sagen “Du, ich kenne da ein Geheimnis. Aber ich darf es dir nicht verraten.” Man, verdammt! Dann erwähne es doch erst gar nicht! – So in der Form fühlen sich manche Szenen in What/If an. Dazu kommt, dass mit jeder Episode zwar die Vergangenheit aufgearbeitet wird, aber neue Fragen hinzukommen.

Wer zum Beispiel der Gönner im Hintergrund ist, der Anne offenbar das Geld zukommen ließ und was Sean damals schreckliches getan hat, wird so zäh aufbereitet, dass man schon selbst bessere Theorien entwickelt. Sieht man es aus dramaturgischen Sicht ist es natürlich logisch, dass die Autoren nicht so schnell mit dem Ergebnis herausrücken, doch ließe sich dies mit Sicherheit anders gestalten. Auch ein 2,5 Stunden Marvel- Superhelden Film lässt schließlich die Spannung anschwellen, bevor die alles rettende Lösung folgt. Doch der Weg dorthin bleibt eben sinnvoll und nicht voller Fragezeichen. Die Serie What/If ist derweil wie ein Schweizer Käse, dem man noch weitere Löcher hinzufügt. Ich mag es einfach nicht, wenn mich Serien künstlich hinzuhalten versuchen. Fragwürdig sind auch manche Verhaltensweise.

Denn weshalb Angela ihren wirklich sympathischen und zuvorkommenden Freund ständig zurückweist, gleichzeitig aber eine Affäre mit dem narzisstischen Oberarzt eingeht, ergibt nie einen Sinn. Abgesehen davon sind die kleinen Psychospielchen und Intrigen zwar nichts neues, können aber für einen kurzweiligen Binge-Watch Marathon mehr als ausreichen. Mit Reneé Zellweger und Jane Levy in den Hauptrollen hat man zudem auch gute Darsteller, die es verstehen die melodramatische Handlung zu führen. Das Casting ist in der Hinsicht ausgesprochen gut gelungen. Denn auf der einen Seite haben wir Zellweger als kaltherzige Diva, während ihr Gegenwart durch Jane Levy das nette Mädchen von Nebenan mimt.

Und diese Rolle steht der Rothaarige eben ziemlich gut. Die beiden Schauspielerinnen ergänzen sich über die Episoden hinaus ausgezeichnet und es macht Spaß ihnen dabei zu folgen, wie sie sich gegenseitig auf intellektueller Ebene begegnen.

Fazit

What/If ist also bei Leibe keine schlechte Serie, auch wenn meine Kritik wohlmöglich so klingen mag. Denn zeitweise erzeugen die Autoren sehr viel Spannung und schicken euch mit netten Cliffhanger in die nächste Episode. All das leidet aber an undurchdachten Dialogen, fragwürdigen Charakter-Twists und ziemlich farblosen Nebendarstellern. Die erzählerische Klasse bleibt also weitgehend auf der Strecke. Aber das ist okay. Für eine dramatische Thriller- Serie, die voller Klischees zwei konkurrierenden Figurenbildern ins Rennen schickt, funktioniert das Ganze trotzdem erstaunlich gut. Die Geschichte langweilt auch eigentlich nie.  Sicherlich kein Must-See, aber ich habe meine Netflix Zeit schon mit weitaus mieseren Filmen/Serien verbracht. Wenn ihr also auf Drama/Thriller mit einen Funken Erotik steht, der durch zwei starke Frauen- Persönlichkeiten besticht, dann schaut ruhig mal rein.