Die düstere Anime-Adaption von Persona 3: The Movie bekommt endlich die verdiente Fortsetzung, die mithilfe von Peppermint auch hiesige Fans locken soll. Wie sich der 2. Kinofilm schlägt, verrate ich im Test…

Handlung

Nach den schwierigen Kämpfen im Tartarus wird es für die Mitglieder des SEES Zeit sich auch mal den friedlichen Dingen des Teenagers Lebens zu widmen und so zieht es sie kurzzeitig an den Strand. Jedoch bahnt sich schon bald neue Gefahr an. Die ominöse Organisation Strega, die sich aus ebenfalls aus Persona- Haltern zusammensetzt, nutzen die Schattenstunde, um ihre grausigen Aktivitäten auszuleben.

Makoto und seine Freunde zieht es also erneut in den Tartarus, wo es gegen die gefährliche Gruppe vorzugehen gilt. Ihnen zur Seite eilen dabei zwei neue Mitstreiter: Die Androidin Aigis und der Grundschüler Ken, die sich der Truppe anschließen. Der schier aussichtslose Kampf gegen die Shadows und die Strega scheint dabei dem Team alles abzuverlangen. Wird es ihnen trotzdem gelingen ihre Persona im Kampf siegreich zu führen?

Bild & Animation

Den Videospiel Intusiasten dürften vom Rollenspiel vor allem die eindrucksvollen Design- Qualitäten des Persona Franchise in Erinnerung geblieben sein. Dementsprechend sind die Erwartungen an einen Kinofilm durchaus hoch angesetzt. Die Adaption liefert sich in dieser Hinsicht aber kaum Schnitzer.

Lead Designer Kaisuke Watabe schafft mit seinem Team Anhand der Vorlage ein auffallend gutes Bild ab, das die Persona Konzeptgrafiken und Charakter- Designs in einem sehr ansehnlichen Kinofilm transportiert. Die düster- mystische Aufmachung des Kinofilms hält einige atmosphärische Momente bereit, die durch den intelligenten Einsatz von Licht-Schatten Effekten und Kameraperspektiven sehr interessante Szenen bietet.

Visuell besticht der Kinofilm trotz seines Alters mit sehr schicken Kulissen und sauberen Animationen. Die melancholische Stimmung der Geschichte wird mit den fantasievollen Gestalten und den fast schon traumatisierenden Dungeons/Welten verblüffend gut eingefangen. Das Alter hat an der A1-Pictures Produktion sicherlich nicht allzu stark genagt.

Sound & Musik

Spricht man im Persona Franchise von den positiven Seite der Medaille, dürften den meisten Spielern sofort die markante Musik einfallen. Auch der Kinofilm gibt hier eine gute Figur ab. Der atmosphärische Soundtrack kann einigen melancholischen und bekannten Melodien aus der Spielvorlage überzeuge. So findet sich auch der markante Velvet Room Theme ein, der sich schon durch zahlreiche Spiele gezogen hat, einschließlich dem letztjährigen Persona 5. Die Qualität der Synchronisation kann hier derweil nicht gänzlich mithalten.

Das von Peppermint beauftragte Tonstudio Metz-Neun Synchron liefert zeitweise eher Durchschnittsware. Zwar ist die Dialogregie durchaus brauchbar und kann hörenswerte Szenen bieten, doch einige Sprecher wissen sich nicht so ganz in ihre Rollen einzuarbeiten. Hier ist dann auch das Tonstudio selber gefordert die richtigen Leute zu besetzen. Leider ist ihnen das nicht vollends geglückt. So habe ich für mich drei kleine Baustellen ausfindig gemacht, bei denen ich gerne einen andere Besetzung gehabt hätte.

Die Synchronsprecher von Shinjiro Aragaki, Ken Amada und der Main-Protagonist Makoto Yuki liefern insgesamt nämlich eine eher mittelmäßige Performance im Studio ab und werden den wichtigen Rollen nicht gerecht. Das ist insofern traurig, da diese Charaktere nicht gerade unerheblich für die Geschichte sind. Dafür gibt es im Gegenzug aber auch einige Lichtblicke. So liefern zum Beispiel Rieke Werner in der Rolle von Yukari Takeba und Marco Sven Reinbold als Jupei Lori wieder mal eine saubere und kritiklose Arbeit ab.

Bei ihnen wirkt es wenig gekünstelt, als bei den vorher genannten Sprechern. Man spürt bei Persona 3 und dem Metz-Neun Studio deutlich welche Synchronsprecher schon mit dem Anime Genre vertraut sind und dem Animationsfilm die nötige Darstellung bieten können. Der restliche Cast überzeugt aber ansonsten auch mit guten Leistungen vor dem Mikrofon. Insgesamt also eine zufrieden stellende Synchro mit kleinen Problemen in wichtigen Hauptrollen.

Content & Verpackung

Beim Release des Persona Kinofilm’s entschädigt der Publisher das lange Warten auf die Fortsetzungen mit einigen netten Extras. So finden sich neben bekannten Pappschuber auch drei schicke Postkarten.

Inside Anime

Persona 3: Spring of Birth (ebenfalls Peppermint) ließ sich Zeit die Hauptcharakter der ersten Spielhälfte in die Geschichte einzuführen und den mysteriösen Plot langsam ins Rollen zu bringen. Mit dem zweiten Kinofilm Midsummer Knight’s Dream folgen die restlichen Mitglieder der SEES, die in der Spielvorlage eine gewichtige Rolle einnehmen und jeweils mit eigenen Backstorys versehen werden. Dazu zählen die Roboter- Dame Aigis, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat Makoto zu schützen, und der kleine Ken, dessen Mutter von einem Schattenwesen ermordet wurde. Auf Rache sinnend zeigt sich hier auch schon bald, was für eine tragische Rolle Shinjiro in dessen Leben gespielt hat. Die fast väterliche Beziehung, die zwischen den beiden aufgebaut wird, hat dementsprechend in der Geschichte auch einiges an Dramatik zu bieten.

Den Autoren gelingt es hierbei entsprechend gut den neuen Protagonisten genügend Raum zu geben, um ihre Charaktere zu entfalten und deren Hintergrundgeschichten plausibel zu erzählen. Der Kinofilm selbst zieht uns derweil wieder in das alte Gefecht zwischen den Mitgliedern der SEES (Specialized Extracurricular Execution Squad) und den dämonischen Shadows, die bei Mitternacht ihr Unwesen treiben. Die ominöse Welt Tartarus spiegelt dabei die alternative Schattenwelt zum Midnight Channel aus Persona 4 und dem Metaverse aus Persona 5. Nicht verwunderlich also, dass dieser alte Konflikt auch in Persona The Movie wieder stark in den Fokus gerückt wird.

Das angenehme Tempo und die intelligente Erzählung der Ereignisse sorgt dafür, dass man auch als Neuling leicht in die Geschichte einsteigen kann. Die Aufarbeitung der Backstorys einiger Charaktere und die Herkunft der Schattenwelt liefert einige spannende Filmszenen. Auch die Einbindung der mysteriösen Gruppierung Strega, die sich aus ehemaligen Persona- Besitzern zusammensetzt, ist interessant erzählt und lenkt einen frischen Blick auf die geheimnisvollen Persona- Halter. Mit sehr viel Liebe zur Vorlage werden kleine Details in die Filmhandlung eingebunden, die vor allem Kenner des Rollenspiels bemerken werden.

So bauen die Autoren auch kleine Sequenzen ein, in denen per Zeitraffer die Nebenbeschäftigungen und schulischen Aktivitäten präsentiert werden, die man als Spieler aus der Gaming- Vorlage kennt. Auch der Timer, der im Videospiel die Tage in Kalenderform markiert, wird hier stets nach wichtigen Ereignissen der Geschichte aufgeführt. Außer acht gelassen werden grundsätzlich nur Dinge, die keinerlei Relevanz für die Rahmenhandlungen haben. Dazu zählen das Aufleveln der Persona, die zwischenmenschlichen Beziehungen beim Ausbau der Social Links und das leidige Grinden in den Dungeons.

Wohlmöglich verliert der Kinofilm hierdurch einen wichtigen Bestandteil des Rollenspiels, doch für eine Verfilmung kommt dies sehr gut dem Erzähltempo entgegen. Zumal sich die Autoren nur auf Story-relevante und emotionale Szenen beschränken, die teilweise auch die Unsicherheit der Persona- Halter im Anime glaubhaft transportiert. In geschickten Story Momenten werden verschiedene Plot- Ebenen zueinander geführt und so eine Coming- of Age Story erzählt, die einen tieferen Blick auf das Innenleben der Persona Besitzer wirft. Im Gegensatz zum ersten Kinofilm baut Persona 3: The Movie – Midsummer Knight’s Dream zeitweise aber auch mehr Fanservice ein. Das mag wohlmöglich nicht jedem gefallen, ist aber auch teilweise der Vorlage geschuldet.

Wer das Rollenspiel mit seinen ausufernden Dialogen und Storyszenen gespielt hat, der wird bemerken wie gut die Autoren die ansatzweise verrückte Haupthandlung mit Nebengeschichten verbindet. Insofern kann der Kinofilm somit eine überwiegend gute Arbeit vorweisen, wenn es um die Adaption dieser Videospiele geht. Für eine Spielverfilmung hält sich die Action allerdings stark in Grenzen. Die obligatorischen Kämpfe aus dem Rollenspiel sind minimal gehalten. Zwar existieren ein paar wenige nett inszenierte Szenen, doch legt der Kinofilm mehr Wert auf die Charakterzeichnung. Das ist durchaus lobenswert, da so der Geschichte mehr Platz eingeräumt wird, doch werden vielleicht viele Action begeisterte Zuschauer, die vor allem die monströsen Designs der Bossgegner aus den RPG’s lieben, traurig über die wenigen Kämpfe sein.


©2017  Ohji Kouji / Kyoto Animation / Iwatobi High School Swimming Club  TM the Promise Production Committee

©2018 peppermint anime gmbh


Vielen herzlichen Dank an Peppermint Anime für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares von Persona 3 – The Movie #02 für den Test:)