Die liebenswerte Coming of Age Serie Just Because! geht in die nächste Runde. Auch Vol.2 schickt sich wieder an euch mit gefühlvollen Szenen vor den Fernseher zu locken. Wer sich Vol.2 holen sollte und ob die Geschichte ihr Niveau hält, erfahrt ihr natürlich wieder in meinem Test…

Handlung

Eta, der sich immer noch Mio hingezogen fühlt, aber inzwischen auch viel Zeit mit Ena aus der Foto-AG verbringt, gelangt so langsam in eine Zwickmühle. Denn beide Mädchen scheinen Interesse zu entwickeln, wodurch zwangsläufig jemand verletzt werden wird.

Ist die Einsicht der Gefühle vielleicht zu spät gekommen? Mio ringt mit ihrer Eifersucht gegenüber ihrer Freundin Ena, die scheinbar einen guten Draht zu Eita hat. Auch Haruto hat mit seinen Gefühlen zu kämpfen. Das Leben der Freunde gleicht inzwischen einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Zu allem Überfluss stehen nicht nur private Probleme an, auch beruflich muss man sich so langsam orientieren…

Bild & Animation

Das Projekt “Just Because!” wurde mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und hält die visuellen Qualitäten auch in Vol.2 weiterhin aufrecht. Die Designer sorgen mit ihren schicken Backgrounds und guten Charakter-Designs für einen charmanten Anime.

Dazu kommt auch, dass im Hintergrund oftmals viel Bewegung herrscht. In Coming of Age / Slice of Life Serien ist man es inzwischen schon fast gewohnt, dass hier ausschließlich mit Standbildern fast gar nichts im Hintergrund animiert wird oder man zumeist mit Nahaufnahmen arbeitet, um weniger gestalten zu müssen. Das Produktionsstudio Pine Jam zeigt jedoch zeitweise auch größere Panorama- Ansichten und liefert mit CG-3D Modellen zusätzliche Bewegung im Bild.

Besonders idyllisch wirken auch die winterliche Szenen, die von Schneetreiben und toller Beleuchtung geprägt sind. Auch die Farbwahl spielt für diese Szenen eine tragende Rolle, da mehr gedecktere Farben Verwendung finden. Die Charakter-Designs wirken zwar immer noch ziemlich beliebig, sind aber trotzdem nett ausgestaltet. Die Bewegungen bleiben Animationstechnisch auf demselben Niveau, wie schon in Vol.1!

Sound & Musik

Auch in Vol.2 hält sich die Tonqualität auf einem sehr guten Niveau. Die Sprecherwahl ist zumeist gut gelungen und die Synchronschauspieler tragen die Rollen gekonnt. Bei den weiblichen Sprechern sticht für mich vor allem Vivien Faber als Ena hervor, die der aufgeweckter Figur sehr viel Persönlichkeit verleiht und damit auch sofort Sympathien erzeugt.

Oftmals sind gerade diese Charaktere schwierig zu transportieren, da sie schnell ins Nervige abdriften. Hier ist es das genaue Gegenteil. Auch musikalisch bleibt man bei den ruhigen Klängen, die gut zum Anime passen. Unter den männlichen Stimmen fällt hier Haruto Souma, vertont von Dennis Saemann sehr positiv hervor. Insgesamt eine sehr ordentlich Synchronarbeit, die hier von G&G Studios, Kaarst produziert wurde.

Content & Verpackung

Auch Vol.2 bleibt der Linie treu und wartet mit einem Pappschuber auf, er auf beiden Seiten zwei frische Charakter-Motive enthält.

Optisch ist man hier beim schlichten Design geblieben, was einen sehr schönen Eindruck im Regal macht.

Genauso wie in Vol.1 ist auch hier ein schwarz/weißer Kurz-Manga als Extra enthalten. Wer sich über den ersten Release gefreut hat, wird also wohl auch Vol.2 ins Regal stellen.

Inside Anime

Just Because geht in die nächste Runde und liefert euch wieder eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle. Wichtige Zukunftsentscheidungen stehen an und der Umbruch im Freundeskreis scheint unvermeidlich. Was dem Anime dabei gut zu Gesicht steht, ist, dass man nicht mit überzeichneten Figuren arbeitet, sondern sich bewusst auf realistische Charaktere beschränkt.

Als Zuschauer fühlt man sich zwangsweise in die Schulzeit zurückversetzt und erkennt so manche Figur in seinen eigenen Freunden oder sein damaliges Selbst wieder. Viele Verhaltensweisen, bezogen auf (mögliche-) Beziehungen zueinander, wirken authentisch aufgebaut. Es ist schwierig Jugendgeschichten zu erzählen, die auf dem Boden bleiben und trotzdem Unterhaltung bieten. Darum werden sich an Just Because! sicherlich auch die Geister scheiden.

Denn die Geschichte bleibt überwiegend gewöhnlich und schafft es selten den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, um mal etwas frisches, spannendes in die Storylines einzubauen. Trotzdem erhält aber gerade diese sterile, ruhige Art des Geschichten Erzählen’s die Authentizität aufrecht. Es werden Personen mit Identifikationspotenzial geschaffen, die durch ihre Träume, Ängste und Sehnsüchte als Figuren sehr realitätsnah auftreten. Dass es der Geschichte öfters an Tiefe mangelt und die Storylines auf der Strecke bleiben, ist zwar schade, doch man konzentriert sich hier eben absichtlich mehr auf die Gefühle der Figuren.

Das Ende der Jugend in Bezug zum Schulabschluss und den verschiedenen Beziehungen zu stellen, funktioniert erstaunlich gut. Ich selbst bin auch starker Verfechter von Storys, die nicht zwanghaft versuchen nur wegen der Dramatik noch einen weiteren emotionalen Schock einzubauen. Als Vergleich bietet sich hier Clannad an, bei dem ich oft das Gefühl hatte, mit überzogenen Charakterdramen konfrontiert zu werden, nur um mit den Figuren mitfühlen zu “müssen”. Dort funktionierte die Figurenarbeit nach dem Schema “Trauriger Background, traurige Situation = Sympathie für Charakter”.

In Just Because! setzt man dagegen nicht so stark auf diese melodramatischen Szenen und erzeugt die Sympathien mehr über alltägliche Konflikte. Natürlich ist man auch nicht von Charakterklischees verschont, dies drängt sich aber nicht so deutlich auf. Die träge und zeitweise zähe Erzählweise wird sicherlich nicht jedem Anime Fan schmecken, sorgt aber für ein nettes Slice of Life Drama, das man Abends mal schnell Zwischendurch schaut, um abzuschalten. Den Stress des Alltags beiseite schieben und eine unaufgeregte Geschichte über das Erwachsenwerden zu erleben ist zur Abwechslung auch mal schön. Just Because! bleibt in jeder Hinsicht bodenständig und das funktioniert auch in Vol. 2 wieder sehr gut.


©FOA/Just Because! Production Committee

©2020 KAZE ANIME


Vielen herzlichen Dank an KAZE Anime für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares von “Just Because! – Vol.2″ für den Test:)