Universal Pictures Germany bringt mit Drifters den neusten Splatter-Action Kracher von Kohta Hirano in den Handel. Ob die historischen Schlachten einen Blick wert sind, verrate ich euch im Test…

Handlung

In der Schlacht von Sekigahara wird der Samurai Shimazu Toyohisa schwer verwundet und schleppt sich verletzt durch den Wald. Plötzlich steht er in einem Flur voller Türen und wird von einem Mann in eines der Tür-Portale geschickt. Kraftlos sackt er anschließend in einem Feld zusammen und wird von zwei Elfen gerettet, die ihn zu den berühmten Kriegern Oda Nobunaga und Nasu no Yoichi bringen.

Wie sich kurze Zeit später herausstellt, ist Toyohisa in einer alternativen Fantasy-Welt gelandet, in der verschiedene Krieger aus unterschiedlichen Epochen und Welten landen. Diese Kämpfer werden als “Drifters” bezeichnet und sollen eine von Menschen, Elfen und fantastischen Wesen besiedelte Welt vor der drohenden Unterjochung durch die sogenannten “Ends” bewahren. Eine schier aussichtslose Lage für die Samurai aus Japan.

Bild & Animation

Das Hoods Drifters Studio hat unter der Regie von Kenichi Suzuki eine ziemlich beeindruckende Arbeit abgeliefert. Mit seinem außergewöhnlichen Art-Style dürfte die Serie wohl auch vorrangig Fans von God Eater und Kabaneri of the Iron Fortress ansprechen, die einen ähnliches Stil aufweisen. Die düsteren Illustrationen mit ihren dunklen Farbtönen und ungewöhnlichen Shading sind definitiv ein Blickfang.

Ob es sich hierbei um klassische 2D Animationen oder 3D Cell-Shading handelt, kann ich nicht mit Gewissheit beantworten. Wahrscheinlich hat das Studio hier einen Mittelweg gewählt und beide Animationsarten vermischt. Visuell schafft es der Anime aber auch gerade dadurch ein ziemlich interessantes Bild abzuliefern und den Szenen die nötige Trostlosigkeit zu verleihen.

Ich selbst würde mich zwar nicht zwangsläufig als Fan des Zeichenstils bezeichnen, da mir die Mimik und Illustrationen im Allgemeinen doch eher missfallen, aber zumindest bietet der Anime so mal etwas unverbraucht neues. Und ein wenig frische Animationskunst kann der Markt in Zeiten von SAO-Kirito Klonen ohnehin gebrauchen. Somit lässt sich über die Optik nichts negatives sagen. Zumal auch die Animationen sehr flüssig wirken.

Sound & Musik

Universal Pictures hat sich für Oxygen Sound Studios entschieden, die auch schon viele gute Arbeiten für Peppermint Anime abgeliefert haben. Insofern durfte man auf ein gutes Ergebnis hoffen und wurde als Zuschauer auch letztlich nicht enttäuscht. Das Studio hat bei jedem wichtigen Charakter stimmlich die richtige Wahl getroffen und auch die Dialogregie überzeugt mit passenden Dialogen, bei denen die Sprecher die genaue Intonation treffen. Kritisch gegenüberstehen dürfte man nur einzelnen Nebencharakteren, aber was die Hauptsprecher angeht so wird hier ein hohes Niveau geboten.

Durch die Fremde Sprache musste das Tonstudio allerdings auf eine Fantasy-Sprache zugreifen, was an sich gut geglückt ist, doch auf Dauer nervt das Lesen der Untertitel gewaltig. Musikalisch fühlt sich die Serie weniger gelungen an. Der Score passt zwar zu den dynamischen Kampfszenen, ist aber vom Stil her eher ungünstig gewählt. Die epischen Schlachten können nicht unbedingt mit erinnerungswürdigen Stücken überzeugen. Jedenfalls nichts worüber man länger als die Szenen stolpert. Den OST wird sich wohl niemand zusätzlich auf Disk ins Regal holen.

Content & Verpackung

Zu Testzwecken lag nur ein Screener vor. Daher kann ich keine Aussagen zur Ausstattung treffen.

Inside Anime

Nachdem Universal Pictures schon mit The Heroic Legend of Arslan und Seraph of the End zwei ziemlich erfolgreiche Serien auf dem hiesigen Markt veröffentlichen konnte, fällt die Wahl nun auf Drifters – Battle In A Brand-New World War. Dieses Dark-Fantasy Werk darf sich wohl getrost als eines der blutigeren Animes bezeichnen, die derzeit auf dem Deutschen Markt zu finden sind.

Der durchaus verrückte Plot des Samurai- Abenteuers um Krieger aus verschiedenen Welten ist wohl neben der Brutalität das Markenzeichen des Anime. Das Konzept von Drifters mit den verschiedenen Zeitepochen der Japanischen Mythologie ist definitiv ein interessanter Aufhänger, erhält man so doch reichlich Samurai- Action und Hardcore Fights, die mit Figuren des historischen Japans glänzen können. Dabei scheint es den Produzenten aber mehr auf den Gewaltgrad anzukommen, denn auf eine geschickt erzählte Handlung.

Obwohl schon zu Beginn viel Action auf dem Bildschirm los ist und Interesse geweckt wird, wird man trotzdem zunehmend das Gefühl nicht los, die Geschichte würde nur dem Zwecke dienen möglichst heftige Kampfschauplätzen abliefern zu dürfen. Die Gewaltdarstellung fällt also unweigerlich sehr radikal aus und mündet in einem regelrechten Blutbad. Ehrlich! – Der Anime macht Berserk wohl ziemlich starke Konkurrenz, was die explizite Darstellung angeht und richtet sich somit eher an ein Dark Fantasy Publikum, das mit dem rauen Umgangston umzugehen weiß.

Leider verliert der Anime durch die Erzählung weitgehend aus den Augen wer hier eigentlich die Bösen sind. Denn auch die Main-Characters sind nicht zwangsläufig die strahlenden Helden vom Dienst, sondern grundsätzlich auch nur blutrünstige Killer. Gerade auch deshalb fühlen sich die eingestreuten Comedy- Segmente leicht deplatziert an. Auch wenn der Humor durchaus für ein paar Lacher sorgen kann, wirkt er dennoch im Kontrast zum Dark Fantasy Korsett sehr tollpatschig. Dadurch fällt es der Serie nicht unbedingt leicht die Ernsthaftigkeit zu wahren, was in Anbetracht der brutalen Schlachten und der eigentlich komplexen Ideen recht unklug inszeniert wirkt.

Aber auch darüber dürften viele Anime Fans leicht hinwegsehen, da Drifters trotzdem irgendwie seinen Unterhaltungswert besitzt. Drifters ist sicherlich nicht fehlerfrei und die Comedy-Szenen meist Fehl am Platze, doch ist die Action ein absoluter Hochgenuss, wenn man auf derlei abfährt. Die Kameraführung und vielen Schnitte sind gelungen und sorgen für viel Dynamik in den Kämpfen. Was man dem Anime auch zu Gute halten muss, ist, dass es kaum Atempausen gibt. Das Erzähltempo wird nie gänzlich heruntergeschraubt, sondern bleibt auf einem guten Niveau. Die plötzlichen Tonänderungen von Comedy auf Düster sind zwar etwas eigenartig, aber die Action ist einfach ziemlich Cool und mit dem Wort lässt sich der Anime wohl auch am ehesten beschreiben.


Vielen herzlichen Dank an Universal Pictures Germany & THINK Enders & Webler für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares von Drifters für den Test:)