Die Neue Welt!

Zehn Jahre sind seit den Ereignissen um den jungen Light Yagami vergangen, der als Kira die Menschheit in Aufruhr versetzte. Inzwischen müsste die Welt eigentlich vor Kira geschützt sein, doch plötzlich mehreren sich mysteriöse Morde, die nur auf das schaurige Death Note zurückzuführen sein können. Wie sich herausstellt existieren mittlerweile sechs dieser Bücher, was schließlich zur Bildung einer Sonderkommission führt.

Dem Hauptkommissar Tsukuru Mishima wird hier zur Unterstützung der sonderliche Ryūzaki an die Seite gestellt, der seines Zeichens die Nachfolge von “L” antritt, um den neuen Kira das Handwerk zu legen. Doch welche Rolle spielt hierbei Light? Hat der alte Kira etwa überlebt? Zeit also die Vergangenheit wieder aufzurollen und ein Wettstreiten um die Notizbücher zu beginnen…

Was zum…?!

Die Death Note Reihe zeichnete sich stets als düsteres Horror-Drama aus, das Gut und Böse auf einem ziemlich schwierigen Balance-Akt transportierte. In jeder Geschichte gab es deshalb einen Protagonisten, einen Antagonisten und einen Tweener. Held und Bösewicht gaben sich also immer die Klinke in die Hand, was auch in Death Note: Light Up the New World wieder ersichtlich wird. Leider fällt es im Sequel nicht gerade leicht Sympathien für einen der Charaktere zu entwickeln.

Zu komplex fällt die Erzählung hierfür aus. Auch die Beweggründe sind nicht so schlüssig, wie noch in der Original Handlung. Den Autoren und auch Schauspielern fällt es auch schwer die neuen Persönlichkeiten in die komplexe Death Note Rahmenhandlung einzubinden. Das Ende ist dementsprechend auch zu überhastet, was in Anbetracht der fast 130min Laufzeit schon ein starkes Stück ist. Zudem ist Mishima’s Rolle auch eigentlich viel zu kompliziert, um sie nur innerhalb der letzten 10 Minuten Filmzeit abzuhandeln. Die Suche nach den – inzwischen 6 – Death Notes ist dafür aber mit reichlich Twists und verrückte Szenen gespickt, die durchaus bei Laune halten können.

Death Note Rebooted!

Die dramatische Geschichte um das Dreier- Gespann rund um Kommissar Mishima, dem Nachfolger von “L” Ryūzaki und einem Cyber- Kriminellen weiß sich also spannend zu gestalten, wirkt durch seine Komplexität aber zeitweise auch ziemlich wirr. Der Kinofilm schafft es stattdessen aber immerhin ein ziemlich beinruhiges Zukunfts- Szenario zu bilden, bei dem die Kriminalität durch verschiedene Figuren eine erschreckend bedrohliche Form einnimmt, die auch ein authentisches Abbild unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage mit all dem Terror aufbaut.

Schon die Anfangsszene zeigt dies auf erschreckende Weise, in der eine unbekannte Frau wahllos Menschen auf der Straße für ihr Notizbuch aussucht. Es ist dieser zufällige und spontane Angriff auf Unschuldige, der den Kinofilm in dieser Szene so bedrohlich wirken lässt. Eines lässt sich deshalb auch leicht sagen – Light Up the New World ist für Fans des Franchise definitiv besser geeignet, als die letztjährige Netflix Verwurstung. Der Kinofilm zeigt sich zum Ende hin auch als Sequel, das zeitgleich einen Reboot der Reihe darstellt und wohlmöglich weitere Filme nach sich zieht.

Dahingehend ist die Neuausrichtung durchaus geglückt, wenn auch mit einigen Fehlern. Wer aber die schaurige Geschichte um die Death Notes liebt, der darf  ruhig mal in das Abenteuer abtauchen. Trotz der sichtbaren Makel, wird man als Zuschauer im Verlauf nämlich doch gut von der Geschichte mitgerissen und möchte den Ausgang erfahren. Ein frühzeitiges Abschalten kam für mich nicht in Frage. Und das ist für einen abendfüllenden Kinofilm immerhin schon die halbe Miete.

Filmische Qualität!

Action-Regisseur Shinsuke Sato, der auch für I Am a Hero verantwortlich war, übernimmt dieses Mal die Arbeiten an der Fortsetzung der erfolgreichen Manga Adaption. Inszenatorisch fand ich den Kinofilm hier auch durchaus ansprechend gestaltet. Alles wirkte schön düster verpackt und in speziellen Momenten auch mit passenden Kameraeinstellungen in Szene gesetzt.

Die Einbindung der Shinigamis fiel in Light Up the New World auch nicht so stark aus dem Rahmen, wie man es noch leidlich durch die Netflix Verfilmung in Erinnerung hatte. Hier haben die Grafiker also ziemlich gute Arbeit geleistet, um diese Wesen realistischer ins Gesamtbild einzufügen. Optisch ist die Visualisierung der drei Gestalten ohnehin ziemlich gelungen. Light Up the New World schafft es also eine verhältnismäßig wirklich gute Adaption eines Anime zu liefern. Ein wenig stupide empfand ich aber die Slow-Motion Szene vom Kugelhagel der Einsatztruppe. Ohne viel zu Spoilern sei gesagt, dass hier Action Klischee und Style über Substanz gestellt wurde.

Diese Live-Action Verfilmung von Death Note ist stilistisch aber wohl trotzdem bisher die optimalste Umsetzung. Der Cast macht insgesamt auch einen guten Eindruck, schafft es aber leider nicht die Persönlichkeiten wirklich greifbar werden zu lassen. Zeitweises Over-Acting gehört ja ohnehin zum guten Ton der Japaner. In diesem Sinne fand ich die Darstellung von Sousuke Ikematsu als Ryūzaki gleichzeitig urkomisch, aber auch irgendwie mit leichtem Fremdscham ziemlich cool. Sicherlich mag Death Note Light Up the New World kein Wunderwerk sein, aber die Inszenierung stimmt, der Cast passt soweit und die Effekte sind zufriedenstellend.

Bei der Lokalisation hat sich Publisher Kaze mit Think Global Media auch ein gutes Tonstudio ausgesucht, das dem Werk eine mehr als ordentliche Synchronisation verpasst hat. Trotz der Schwierigkeit, die ein japanischer Film mit sich bringt, hat das Studio hier sehr bedacht die Dialoge gewählt, um auch einigermaßen Lippensynchron zu bleiben. Mit Tim Knauer in der Hauptrolle des verrückten Ryūzaki wurde auch genau der richtige Synchronsprecher gewählt, um den Charakter zu verkörpern. Seine Darstellung vor dem Mikrofon fand ich, wie schon oft, ziemlich gelungen. Die deutsche Bearbeitung von Think Global Media GmbH kann sich also durchaus hören lassen.

Fazit!

Das Original Death Note war ziemlich einfallsreich und intelligent. Light Up the New World ist die konsequente Fortsetzung, ohne aber dessen Klasse zu erreichen. Das komplexe Story- Konstrukt hat zwar seine Momente, ist letztendlich aber viel zu wirr und unlogisch erzählt. Übrig bleibt trotzdem ein spannender Kinofilm, der für einen actionreichen Kinoabend durchaus gut geeignet ist.