Game of Thrones hat die Serienlandschaft auf Ewig geprägt. Die Machtspielchen, die durchdachte Geschichte und alle die facettenreiche Figuren gehörten wohl zum Besten, was das Fernsehen jemals hergebracht hat. Kein Wunder, dass die Lücke, die HBO mit dem Finale hinterließ von vielen Serienproduzenten endlich geschlossen werden will.

Auf der Suche nach dem nächsten großen Medien Franchise versuchten sich auch schon Netflix mehrmals an Fantasy Serien wie »Cursed – Die Außerwählte« und »Fate: The Winx Saga«, bis sie mit »The Witcher« schließlich auch endlich den großen Wurf landeten, der Zuschauer ziehen konnte. Trotzdem wollen auch andere Streaming- Sender den Fantasy Markt nicht ungeschlagen hergeben und so hat sich Amazon die Filmrechte an »The Wheel of Time« gesichert.

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Die Roman Adaption des Buchautors Robert Jordan umschließt bislang 14 Bücher, womit genügend Filmstoff für eine ausführliche Seriengeschichte vorliegt.

Das Fantasy Epos, zu Deutsch: »Das Rad der Zeit« erzählt die Geschichte von fünf jungen Menschen, die in einem fernen Bergdorf leben, das eines Tages von mysteriösen Kreaturen angegriffen wird.

Just in dem Moment taucht eine fremde adelige Frau auf und vertreibt die monströsen Wesen mit ihren magischen Fähigkeiten. Wie sich herausstellt ist sie eine Aes Sedai, eine mächtige Zauberin, die auf der Suche nach den fünf Freunden ist, um einer altertümlichen Gefahr entgegenzuwirken.

Sie behauptet, dass einer der fünf Freunde die Wiedergeburt des “Drachen” sei, ein mächtiges Geschöpf, dem eine uralte Macht innewohnt. Diese Person kann die Balance zwischen Böse und Gut ins Wanken bringen.

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Sollte sich der Drache also für die falsche Seite entscheiden, könnte der Dunkle König wieder auferstehen und die Welt ins Verderben stürzen. Um die Bewohner vor dem Untergang zu schützen, muss Moiraine der Prophezeihung folgen und die Person ausfindig machen, in der diese Macht wohnt und sie zur hellen Seite bekehren, bevor sich die Anhänger des Dunkle Königs wieder erheben. Die Geschichte zeigt sich also als durchaus spannend inszeniert und bringt schon mit der Pilot-Folge einiges an Fragen auf. Das Storykonzept, dass die vielen verschiedenen Figuren und die große Welt bietet, hat damit enorm viel Potenzial.

Doch der Groß der Geschichte wird leider etwas zu plump erzählt und fühlt sich teilweise auch viel zu überhastet an. Schon recht früh wird z.B. die Clique getrennt, was eigentlich die Möglichkeit einräumt mehrere Perspektivenwechsel und Szenenschnitte zu bringen.

Während Game of Thrones diese Gelegenheiten auch zielsicher genutzt hat, um mehr Figurenarbeit und geschichtliche Tiefe zu liefern, setzt »Das Rad der Zeit« diesen Weg nicht konsequent genug um, sondern lässt das “große” Wiedersehen, das schon nach 2-3 Episoden umgesetzt wird, ziemlich schwach erscheinen.

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Im Vergleich zu »Game of Thrones« wirkt das riesige Film-Universum dadurch bislang kompakter, als man bei einer so langlebigen Buchreihe erwarten könnte. Überhaupt lässt man den Figuren herzlich wenig Zeit sich zu entfalten, wodurch es schwer fällt sich als Zuschauer ein paar wenige “Lieblinge” herauszusuchen.

Auch das alte Gut/Böse Leitbild ist hier weitaus aufdringlicher inszeniert, wie z.B. in »Game of Thrones«. Aber vielleicht ist letzteres auch ein viel zu hoch angesetzter Vergleich, denn nur wenige Serie halten der facettenreichen Geschichte stand.

Das »Rad der Zeit« ist aber allemal ein trotzdem vielversprechendes Projekt. Die Autoren müssen sich nur endlich mal die Zeit nehmen das World-Buildung stärker in Angriff zu nehmen und den Figuren etwas mehr Eigenheiten zu geben.

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Denn bislang ist das die größte Schwäche der Geschichte. Es fehlt schlicht an Figuren, denen man wirklich gerne auf ihrem Abenteuer folgt. Das liegt auch gar nicht so sehr am jungen, unbekannten Cast. Die liefern zumeist eine mehr als solide Performance ab, die eben im Rahmen der Möglichkeiten fällt. Ich schätze mal, dass sie mit etwas geschickteren Dialogbüchern auch mehr Aspekte der Figuren zeigen könnten. Zumal das Finale auch (bewusst?) einige Fragen offen lässt und es scheint, als würde die Geschichte erst jetzt richtig ins Rollen kommen.

Trotzdem sollte man in der nächsten Staffel noch an der Figurenzeichnung arbeiten und dafür ein wenig das Erzähltempo bremsen. Wenn man zu voreilig durch die Geschichte eilt bleibt viel Potenzial ungenutzt, was sich in dieser Serie am deutlichsten abzeichnet.

Denn eigentlich hätte ich schon Interesse daran mehr von der Welt, ihrer politischen Situation und den verschiedenen Völkern zu erfahren. Wieso werden die Aes Sedai z.B. so sehr gefürchtet und teils auch verfolgt? Was ist die Rasse der Ogier? Wo kommen die Trollocs her? Und wie genau ist die Stadt Shadar Logoth letztlich zu Grunde gegangen.

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Bislang wurden all diese Fragen nur durch kurze Dialoge angesprochen. Das macht das World-Buildung oder besser gesagt das Verständnis wie diese Welt funktioniert wirklich schwierig, sofern man als Außenstehender ohne Buchvorlage in die Serie einsteigt.

Und letztlich ist es nun einmal die Aufgabe der Autoren auch die “Nicht-” Leser in die Geschichte einzuführen. Das gelingt bisher noch ein wenig holprig. Ich selbst hatte ehrlicherweise auch Schwierigkeiten all die Begriffe, Orte, Figuren und Völkerbezeichnungen einzuordnen.

Die Visual Effects sind derweil ordentlich, bewegen sich aber nicht auf dem Niveau von HBO’s »Game of Thrones« oder Disney’s »The Mandalorian«. Dafür fehlt es bei manchen Zauber am richtigen Glanz und auch CGI- Monster bewegen sich teils etwas ungeschmeidig durch die Gegend. In Nahaufnahmen fallen sie stark aus dem Gesamtbild heraus. Das hätte man mit einer besseren Belichtung und detaillierteren Charaktermodellen ausfeilen können. Die Hintergrundkulissen sind dagegen ganz schick und aufwendig gestaltet.

FAZIT:
Roman- Verfilmung, die ihr Potenzial nicht ausschöpft, aber trotzdem kurzzeitig nette Fantasy liefert!

»Der Text liest sich wahrscheinlich ziemlich kritisch. Doch trotz der offensichtlichen Schwächen, sollte sich mal jeder selbst ein Bild vom Fantasy Korsett machen. Denn die Amazon Produktion ist einfach klassische Fantasy Kost, die sich meines Erachtens nach bislang eben “nur” auf dem Niveau von »The Shannara Chronicles« bewegt. Doch auch diese Serie konnte mich einst über ihre zwei Staffel durchaus vor dem Bildschirm locken. Der erhoffte Serien-Event ist »Das Rad der Zeit« in Season 01 also (noch) nicht, aber verglichen mit Netflix’ »Cursed« oder Amazon’s »Carnival Row« ist »Das Rad der Zeit« ein Projekt, dem ich in Staffel 2 gerne eine weitere Chance geben werde.«