Das schlagkräftigste Duo der Filmgeschichte wird endlich auch virtuell auf die Bösewichte losgelassen. Mit Slaps & Beans sollen sie die Nintendo Switch (un-)sicher machen. Ob sich das Digital-Only Spiel lohnt, verrate ich euch im Test…

Das Western-Duo in Aktion!

Zwei Bärenstarke Typen (1983), Das Krokodil & sein Nilpferd (1979) und Zwei außer Rand und Band (1977). Das sind sicherlich Filmtitel, bei denen viele Zuschauer feuchte Augen bekommen und sich die rotzigen Dialoge in Erinnerung rufen. Warum nie ein Videospiel um die beiden Western-Helden Bud Spencer und Terence Hill produziert wurde, kann wohl nur mit einem Fragezeichen beantwortet werden.  Schließlich waren die abenteuerlichen Ausflüge vollgestopft mit lachhaften Szenen und knallig übertriebenen Soundeffekten, die nahezu perfekt für ein Videospiel geeignet wären.

Mit Slaps & Beans des Entwicklerstudios Trinity Team soll das Western- Duo nun aber endlich ihr wohl verdientes digitales Abbild erhalten, das den Bösewichten virtuell eines über die Rübe zieht. Damit erfüllt sich zwangsläufig auch ein alter Wunsch, den meine beiden Cousins schon ewig gehegt haben. Ein Prügelspiel rund um die beiden Knallköpfe, die so herrlich charmant den Feinden auflauern. Auch wenn ich mich selbst nie als großen Fan des Duos empfand, kam ich durch meine Cousins nie drum herum mich mit dem Universum zu beschäftigen. Für mich schließt sich also freilich ein Kreis, dass ich im Jahre 2018 nach zahlreichen Jahren der Bud Spencer & Terence Hill Schwärmerei schließlich das optimale Video-Game zum Duo testen darf.

Eine Tracht Prügel in 16Bit!

Slaps & Beans entpuppt sich dabei als ein klassischer 2D Brawler, wie man ihn in den glorreichen Zeiten des Super Nintendo & Mega Drives zu Gesicht bekam. Mit seiner charmanten Pixel-Grafik versprüht das Spiel viel Retro Flair und weckt leichte Erinnerungen an die Ära der Arcade Automaten. Die geistigen Vorbilder Double Dragon, TMNT und Streets of Rage sind schnell ausgemacht und geben die schlagkräftige Richtung vor.

Wie auch in diesen Videospielen gilt es mit einfachen Button- Kombinationen das schnell erlernte Move-Set zu nutzen, um in Massenprügeleien die Oberhand zu gewinnen. Wie in so ziemlich jeden Sidescroller der Vergangenheit und Neuzeit gilt es eine schier endlose Zahl von Bösewichten zu verprügeln, die teilweise unterschiedliche Angriffsmuster aufweisen. Im Kern handelt es sich beim Titel also um eine nette 16-Bit Hommage an den Italo Western, den Bud Spencer & Terence Hill ursprünglich einmal geprägt haben. Um euren HP-Balken aufzuladen gilt es stilecht einen Bierkrug in die Hand zu nehmen und sich einen Schluck zu genehmigen.

Natürlich lassen sich derartige Gegenstände auch zweckentfremden, um ordentlich Backenfutter zu verteilen. Das eigentliche Bewegungsmuster richtet sich hier erwartungsgemäß an die beiden Helden und bietet je nach Charakterwahl ein leicht abgewandeltes Moveset. Die Prügelmechanik fällt allerdings trotzdem recht simpel aus und hält somit nicht unbedingt lange die Motivation aufrecht. Glücklicherweise wird die Dauerprügelei aber stets durch nette kleine Minispiel Ideen ausgebremst, in denen ihr entweder an einem Wettessen teilnehmt, den Revolver-Helden mimt oder in einem Rennwagen den Grand-Prix gewinnen müsst.

Die vereinzelt eingestreuten Bossfights erfordern derweil auch leicht anderes Timing, als die stinknormalen Handlanger, die euch auf den Straßen erwarten. Das Wettfuttern stellte mich allerdings unter eine ziemliche Geduldsprobe, da das Tutorial nicht unbedingt viel Infos darüber lieferte wie das Konzept letztendlich gedacht ist. Auch das Rennen im Micro-Machine Stil, das mit einer isometrischen Kameraperspektive aufwartet, fühlte sich leicht schwammig an, da die Wagen nur abgeharkte Vier-Richtungen einschlagen konnte und die Animationen durch die 3D Objekte nicht sehr flüssig ausfielen.

Auch das unübersichtliche Level-Designs sorgte an diesen Stellen für leichte Probleme. Solche kleinen Zwischenspiele sorgen aber trotzdem für ein wenig Auflockerung und halten die Laune bei Slaps & Beans aufrecht. Zumindest wenn man Fan des knallharten Duos ist. Jeder andere wird wohl spätestens nach einigen Levels das Zepter aus der Hand geben und sich anderen Videospielen widmen. Gewiss – Slaps & Beans ist reiner Fanservice und macht keinen Hehl daraus an welche Zielgruppe sich der Sidescroller richtet. Mit einem – genauso vernarrten – Freund dürfte die Massenprügelei durch den Offline Co-Cop auch noch einiges an Freude mehr bringen. Die infantilen Schlägereinen fallen und steigen also mit eurem Spaß an den Filmvorlagen.

Einmal Pixel-Charme & Schellenalarm!

Das charmante Abenteuer präsentiert sich natürlich in einem farbenfrohen 16-Bit Style, der mit sauberen Prügel-Animationen und knackigen Illustrationen die Filmreihe wunderbar und liebevoll einfängt. Der klassische Pixel-Look mag sicherlich nicht so kreativ ausfallen wie zuletzt Octopath Traveller, doch für eine Lizenz- Umsetzung eines Indie- Entwicklers ist der Grafikfilter durchaus ansehnlich.

Abgesehen von den abgeharkten Renn- Animationen und dem leicht ruckeligen Autoscooter-Level, erlaubt sich Slap & Beans soweit keine gravierenden Programmier-Fehler. Das gilt ebenso für die witzigen Sound-Effekte, die den knallig Comedy-lastigen Prügeleien den nötigen B-Movie Klang verleihen. Verteilt ihr mit Bud & Terence also mal kurzerhand ein paar Schellen gibt’s die blecherne Klangkulisse direkt oben drauf. Für jeden Fan der knallig markanten Sounds ein Fest für die Ohren. Zumal auch zahlreiche Originalsongs lizenziert wurden, die als Titelmelodien den Bud Spencer & Terence Hill Geist aufrechthalten. Für einen Indie- Entwickler auch unerwartet, hält das Videospiel doch tatsächlich lokalisierte Texte für den Deutschen Markt bereit.

Allerdings solltet ihr als Fans der rotzigen Film-Dialoge keine Originalaufnahmen erwarten, sondern müsst mit neuen Texten auskommen. Diese schaffen es durchaus einen leicht humorvollen Touch zu bekommen, sind aber nicht vergleichbar mit der humorvollen Klasse des Vorbilds. Zumal manche Sätze auch etwas ungünstig übersetzt klingen. Wenn von “Kohlen” die Rede ist, denkt man schließlich im Plural nicht unbedingt daran, dass jemand von Geld redet. Aber vielleicht checke ich auch einfach den Gag nicht. Ansonsten lässt sich aber wenig an der Deutschen Textfassung herumkritisieren. Was die Technik angeht, so zeigt sich Slaps & Beans ohnehin von einer durchaus guten Seite, was auch an der soliden Switch Portierung liegt, bei der sich die Entwickler trotz kleiner Bugs keine allzu groben Schnitzer erlaubt haben.

Einziger Kritikpunkt am Switch-Port sind die fehlerhafte Konfigurierung der Texteinblendungen, die nicht optimal an den Switch Display angepasst wurden. Wie es zu dieser fehlerhaften Darstellung kam ist fraglich. Auch die Ladezeiten fallen für ein Retro-Abenteuer ziemlich lang aus und werfen die Frage auf, weshalb die Switch hier so ewige Ladevorgänge besitzt, wo die Welten nun nicht unbedingt so ausufernd sind. Was das Design der Welt angeht, so haben sich die Entwickler aber redlich Mühe gegeben den Charme der Filme einzufangen und möglichst abwechslungsreiche Areale (Wüste, Stadt, Vergnügungspark, Filmkulisse etc.) zu bieten.


Vielen herzliche Dank an Trinity Game für die freundliche Bereitstellung des Download Codes von Slaps & Beans für die Nintendo Switch:)


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